Medizinische Hilfestellung während einer Geländeübung
Im Jahr 1987 führten wir im Rahmen der Fluglehrerausbildung in der Berufsmilitärpilotenschule (14 UeG-Piloten) eine Geländeübung im Raume Ritomsee (TI) durch. Wir waren gut unterwegs, als wir vor einem Stundenhalt etwas nördlich des Lago di Tom am Wegrand einem Ehepaar im mittleren Alter begegneten.
Der Mann lag mit leicht erhöhtem Oberkörper – sichtlich geschwächt – auf der Wiese. Auf unsere Nachfrage hin bestätigten die beiden eine «Schwäche», und es wurde schnell klar, dass ein akutes Herzproblem vorlag. Sofortmassnahmen schienen nicht angebracht, aber professionelle Hilfe war offensichtlich dringend notwendig. Unser Helikopterpilot Charly Bachmann trug ein sogenanntes «Rega-walkie-talkie» (Notfunkgerät) auf sich. Wir hatten aber an diesem Ort keinen Empfang. In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass es im Jahr 1987 noch keine Handys oder andere Smartphones gab. Unser bester/fittester Sportler, Leutnant Claude Meier, erklärte sich sofort bereit, zum Restaurant beim Ritomsee zu spurten und per Telefon – aus einer Telefonkabine – Hilfe aus der Luft bei der Rega anzufordern.
Erste Anmerkung:
Als Übungsleiter hatte ich am Vortag Lt. Meier gerügt, weil er anstelle von Ordonnanzschuhen Sportschuhe für die Wanderung tragen wollte.
50 Minuten nach dem Start zum Schnelllauf – notabene in den gerade aus seinem Rucksack entnommenen und angezogenen Sportschuhen – hörten wir den Rega-Helikopter. Charly konnte den Piloten mithilfe des Notfunkgeräts fachmännisch einweisen, und der geschwächte Mann wurde eingeladen und ins Spital transportiert. Einige Tage später meldete sich die Ehefrau und bestätigte die erfolgreiche Behandlung ihres Mannes, und dass er auf dem Weg der Genesung sei. Die beiden waren Kanadier und arbeiteten bei der UNO in Genf.
Zweite Anmerkung:
Leutnant Meier, genannt «Seppi», wurde später F/A-18-Pilot und -Fluglehrer, Leader des PC-7-Teams und Chef des Armeestabs als Divisionär (faktisch die Nummer zwei in der Armee). Er ist heute zwar mindestens perfekter Trilingue, sprach zu Beginn des Kindergartens aber nur Schwyzertütsch, obwohl er in Lausanne geboren wurde. Der Grund dafür war, dass seine Eltern vor seiner Geburt ins Waadtland gezogen waren, und er bis zur Schule kaum Französisch gesprochen hatte. Später wurde er in der Sekundarschule als «Seppi» gehänselt, weil er einmal als Goalie beim Fussball eingesprungen war und er einen nicht allzu schlechten Eindruck hinterliess, und der Deutsche Sepp Maier damals einer der berühmtesten Torhüter war. Dieser Spitzname begleitete ihn dann über die Handballmannschaft, das Gymnasium hinweg und über die fliegerische Vorschulung, bis ins Militär und auch eine gewisse Zeit als Kampfpilot.
Text: Rudolf Wicki - verifiziert: Claude Meier
Foto: Wikipedia